ZDF-Magazin „Frontal 21“: Heparin aus China verunreinigt

Mehrere Chargen des Arzneimittels Heparin-Natrium-Ratiopharm als Injektionslösung wurden vom Generikahersteller Ratiopharm zurückgerufen.

Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ berichtete in der Sendung vom 15. April, dass die Pharmafirma in eigens durchgeführten Analyseverfahren bei schon ausgelieferten Chargen Auffälligkeiten festgestellt hat. Ratiopharm bezieht die Rohstoffe für das Medikament aus China.

Bereits das deutsche Pharmaunternehmen Rotexmedica musste einige Wochen zuvor mehrere Chargen zurückrufen, da bei einigen Patienten allergische Schockreaktionen aufgetreten sind. In einer Passauer Klinik bekamen drei Patienten nach direkter Injektion des Medikaments einen allergischen Schock. Dabei entwickelten die Patienten am ganzen Körper eine Hautrötung. Gleichzeitig kam es auch zu einem lebensbedrohlichen Blutdruckabfall.

Dem Bundesinstitut für Arzneimittel liegen bis zum jetzigen Zeitpunkt bereits 27 Berichte von deutschen Dialysezentren und Kliniken über allergische, aber auch schwerwiegende Reaktionen nach Verabreichung von verschmutztem Heparin vor.

Der Blutverdünner Heparin wird beispielsweise bei Operationen am Herzen und bei Dialysen eingesetzt. Gewonnen wird es aus Schweinedärmen. Die Grundstoffe der betroffenen Chargen bezogen die Firmen Rotexmedica und Ratiopharm aus China. Nach Angaben des ZDF, ergab eine Analyse im Auftrag des Gesundheitsministeriums Schleswig-Holstein, dass das Medikament verschmutzt und möglicherweise auch künstlich gestreckt worden war.

Der Verband Forschender Arzneimittel gab gegenüber dem Magazin „Frontal 21“ bekannt, dass rund 80 Prozent der verwendeten Wirkstoffe in Deutschland aus dem Nicht-EU-Ausland stammten. Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker äußerte sich besorgt über diese Entwicklung. Er sieht darin eine steigende Gefahr für die Patienten: „Dort, wo Arzneistoffe komplex sind, wo man weiß, dass er nicht hundertprozentig überprüfbar ist, da bieten sich auch Einfallstore für kriminelle Kräfte, die einen solchen Arzneistoff fälschen“, so Schubert-Zsilavecz.

Auch Professor Harald Schweim, Lehrstuhlinhaber für Drug Regulatory Affairs an der Universität Bonn, warnt vor Risiken bei Arzneimitteln aus China: „Ich weiß, dass man in China jede Qualität, die man haben will, kaufen kann: Sehr rein bis total dreckig – das ist nur eine Frage des Preises. Und wenn das durchgeht, dann wird es eine Spirale nach unten geben mit unabsehbaren Folgen.“

Diese Tatsache wiege umso schwerer, da Indien und China cirka 80 Prozent der Antibiotika liefern, die auf dem deutschen Markt benötigt würden. Es könnte zu einer Krise kommen, wenn bestimmte Antibiotika, welche nur noch im Ausland hergestellt werden nicht zur Verfügung stehen. Dies bedeutet, dass eigentlich leicht zu therapierende Erkrankungen gegen die heute Antibiotika wirksam sind, zu lebensgefährlichen Erkrankungen werden könnten.

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