Risiko oder Chance: Neue Vertriebswege für Arzneimittel

Vor einigen Jahren wurde das Internet noch mit großer Vorsicht genutzt, heute ist die Scheu jedoch größtenteils verflogen. Immer mehr Menschen nutzen das Angebot der Internet-, Online- bzw. Versandapotheken und ordern ihre „persönlichen“ Medikamente über das Internet. Zumal viele Anbieter mit Preisnachlässen werben, welche zum Teil 50 bis 60 Prozent unter dem normalen Apothekenverkaufspreis liegen. Schließlich gilt es aber zu klären, ob die Sicherheit bei einer Apotheke im Internet gewährleistet wird.

Grundsätzlich ist es wichtig zu prüfen, ob es sich um einen seriösen Anbieter handelt. Vertrauenswürdige Arzneimittelversender, welche verschreibungspflichtige Arzneimittel verkaufen, bestehen auf das Einsenden des Originalrezepts. Zudem unterliegen verschreibungspflichtige Medikamente einer festen Preisbindung. Daher gibt es bei den deutschen Versandapotheken keine Preisunterschiede, auch nicht zur Apotheke vor Ort. Ebenso sollte geprüft werden, ob die Internetapotheke über ein vollständiges Impressum mit Adresse der zugelassenen Apotheke, Telefon, Aufsichtsbehörde, zuständiger Apothekerkammer verfügt. Ebenso müssen Versandanbieter Fachkräfte beschäftigen, die Patienten in deutscher Sprache beraten können. Darüber hinaus dürfen nur solche Arzneimittel versendet werden, deren Kennzeichnung sowie Packungsbeilage in deutscher Sprache verfasst sind. Auch bietet eine seriöse Versandapotheke nur in Deutschland zugelassene Arzneimittel an.

Dabei ist der Arzneimittelmarkt ständig in Bewegung. So kooperieren mittlerweile auch mehrere deutsche Drogeriemarktketten und Supermärkte mit Versandapotheken. Schlecker und dm richten sogenannte Pick-up-Stellen ein, an denen sogar rezeptpflichtige Medikamente erhältlich sind. Eine notwendige Beratung durch ausgebildetes Fachpersonal findet an den Pick-up-Stellen jedoch nicht statt. Da außerdem die Gefahr hoch ist, dass die Grenzen zwischen Apotheken und Drogeriemärkten zu stark verwischen könnten, stemmt sich die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) gegen die Anerkennung von Pick-up-Stellen. Außerdem beschäftigen sich Bundesrat und Bundestag seit Monaten mit diesem Thema.

Die neuen Vertriebswege bieten eine angenehme Alternative zur herkömmlichen Apotheke, werden jedoch von vielen Verbrauchern immer noch mit Argwohn betrachtet. Besonders ältere Menschen fürchten um ihre vertraute Anlaufstelle, die auch oft ein Ansprechpartner für soziale Frage ist. Das Kölner Institut für Handelsforschung (IfH) fand zudem heraus, dass insbesondere Sicherheit, Glaubwürdigkeit und Vertraulichkeit in Frage gestellt werden. Zudem ist aus Verbrauchersicht die Kontroll- und Beratungsfunktion der Apotheken nicht zu ersetzen. In diesem Zusammenhang empfiehlt die IfH den Apotheken, weiterhin Maßnahmen zur Kundenbindung zu ergreifen und vermeintliche Preisnachteile durch gute Leistungen und Service zu kompensieren.

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