Kritik an Apotheken: Marktbeteiligte ziehen eigenes Fazit

In ihrer Juli-Ausgabe titelte die Stiftung Warentest: „Die Apotheken beraten schlecht – daran hat sich seit Jahren leider nichts geändert“. Andere Studien bescheinigen den Apotheken ein positives Image und eine hohe Akzeptanz bei der Bevölkerung. Unberücksichtigt blieben bisher allerdings die Urteile der Marktbeteiligten und die Aussage darüber, wie sie die Meldungen zur Qualität der Apotheken einordnen.

Das Institut für Handelsforschung (IfH) in Köln, nahm sich dieser Problematik im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „Der Weiße Tisch am IfH“ an. Die Beteiligten kamen zu dem Ergebnis, dass die öffentlichen Apotheken in Deutschland von den Verbrauchern als Gütesiegel wahrgenommen werden. Gleichzeitig stellten sie aber auch fest, dass dieser Vertrauensvorschuss bald aufgebraucht sein könnte.

Manfred Kreisch, Vorsitzender der Fachabteilung Selbstmedikation beim Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI), bezog sich in seiner Aussage auf den Beitrag der Arzneimittelhersteller zum Qualitätsempfinden der Verbraucher. „Apotheken werden auch deshalb als Gütesiegel wahrgenommen, weil nur Apotheken-exklusive Produkte ein Garant für höchste Qualität und adäquate Beratungsleistung sind. Diese Exklusivität ist das Gütesiegel für einen aktiven Verbraucherschutz“, so Kreisch.

Dagegen vertritt Klaus Kluthe der Geschäftsbereichsleiter Consumer Care bei Bayer Vital die Aussage, dass die Apotheken ein Gütesiegel darstellen, weil es die Kunden so sehen. Viele Apotheken zeichnen sich durch eine neutrale Beratung, gelebte Fachkompetenz, persönliche Beziehung und Zuwendung aus. Nach seiner Meinung repräsentieren nur wenige Apotheken die Merkmale „hohes Ross“ und „von gestern“.

Barbara Keck von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), stehe im Mittelpunkt der Apotheken, der persönliche Austausch mit den Verbrauchern. Gleichzeitig bemängelt Keck aber auch, dass die Servicebereitschaft und Kompetenz dem Patienten gegenüber häufig nicht gezeigt werden. Aus diesem Grund, „bedarf es einer Sensibilisierung der Apothekenmitarbeiter und kontinuierlichen Anleitung, Qualität zu leben und den Kunden Leistungen anzubieten.“

Lothar Kämmerling von der Pharmazeutischen Großhandlung Otto Geilenkirchen ist dagegen der Meinung, dass die Arzneimittelsicherheit durch inhabergeführte Apotheken gewährleistet werden kann und die unabhängigen, eigenverantwortlichen Apothekenleiter sensibel zwischen Ethik und ‚Monetik‘ abwägen. Er fällte seine Beurteilung angesichts des anstehenden Urteils des Europäischen Gerichtshofes zur Vereinbarkeit des Fremdbesitzverbotes mit dem Gemeinschaftsrecht im Jahr 2009.

Der Apotheker und stellvertretende Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein, Werner Heuking, nutzte das negative Ergebnis der Stiftung Warentest, als Ansporn für sein Team. „Ich habe allen Mitarbeitern das Ergebnis gezeigt und nochmals verdeutlicht, dass so etwas in meiner Apotheke nie passieren darf.“

Der IfH-Geschäftsführer Andreas Kaapke zog abschließend das Fazit: „Die Apotheken dürfen nicht müde werden, über die vielfältigen positiven Dinge in und aus Apotheken zu berichten. Deshalb sollte noch viel mehr getrommelt werden, denn was nützt das hohe Selbstwertgefühl der Apotheker, wenn sich dieses nicht in einem selbstbewussten Auftreten äußert.“

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