Apothekenmarkt im Umbruch

Betriebswirtschaftliches Know-How wird immer wichtiger
Das Tempo, mit dem sich öffentliche Apotheken mit Änderungen im Gesundheitsmarkt konfrontiert sehen, hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Viele neue Regelungen – Filialisierung, Zulassung des Versandhandels oder das Arzneimittelneuordnungsgesetz (AMNOG) – haben dazu beigetragen, dass die finanzielle Basis für selbständige Apotheker prekärer geworden ist. Wer sich jedoch frühzeitig mit betriebswirtschaftlichen Kenntnissen wappnet, kann nach wie vor erfolgreich eine eigene Apotheke leiten.

Nach Angaben der ABDA hatte im vergangenen Jahr die typische Apotheke in Deutschland einen Jahresumsatz von 1,5 Millionen Euro – das gilt für rund 15 Prozent der Apotheken. Knapp 30 Prozent machen weniger Umsatz und 55 machen mehr. Über die Fünf-Millionen-Grenze kommen dabei 1,4 Prozent der Apotheken. Für dieses Jahr hat die Treuhand Hannover ermittelt, dass erstmals seit langem sogar wieder mit absoluten Rohertragszuwächsen in den Apotheken zu rechnen ist. Doch werden diese leicht durch die zusätzlichen personellen Belastungen – gerade ist eine Erhöhung der Angestelltengehälter in der Apotheke ab Juli vereinbart worden – und durch teilweise sehr kostenintensive Verpflichtungen aufgrund der novellierten Apothekenbetriebsordnung aufgezehrt.

Wer dem etwas entgegensetzen möchte, muss rechnen können. Das heißt, die Kennzahlen in der Apotheke wie Umsatz, Rohgewinn, Wareneinsatz, Personalkosten im Griff zu haben sowie auf gute Konditionen mit dem Großhandel und eine vernünftige Preisgestaltung zu achten. Zudem gilt es, mit der richtigen Marketingstrategie Kunden zu halten oder neu zu gewinnen.
Das sind aber nicht die Fähigkeiten, die während des Pharmaziestudiums gefördert, geschweige denn gezielt gelehrt werden. Somit ist Eigeninitiative gefragt.
Wer sich im Bereich betriebswirtschaftliches Knowhow fortbilden möchte, kann das auf verschiedenen Wegen tun – durch Selbststudium anhand von Literatur, durch den Besuch von Seminaren, wie sie von Großhändlern, Treuhand oder Verbänden angeboten werden. oder durch ein berufsbegleitendes Studium. Letzteres hat den Vorteil, dass nicht nur einzelne Aspekte beleuchtet werden, sondern die Themen zwar kompakt, aber mit einer gewissen Kontinuität und aufeinander aufbauend gelehrt werden.

Neben der Universität Bayreuth, bietet ein solches Studium seit 2004 zum Beispiel die Fachhochschule in Schmalkalden (Thüringen) an. In nur zwei Semestern können Pharmazeuten dort den Abschluss als ApothekenbetriebswirtIn machen (in Bayreuth sind es drei). Inhalte des sehr praxisnah aufgebauten Studiums, das sich in Präsenzphasen und Selbstlernphasen gliedert, sind unter anderem: Allgemeine Betriebswirtschaft mit Investitionsberechnungen, wirtschaftlichen Planungen, Kennzahlen und BWA-Analysen, Marketing und Warenwirtschaft.
Praxisnah heißt dabei: selbst Berechnungen zu machen, um zu erkennen, ob etwa die Anschaffung eines Kommissionierautomaten unter gegebenen Umständen wirklich wirtschaftlich ist; betriebswirtschaftliche Analysen „lesen zu lernen“, um Probleme im Betrieb rechtzeitig zu erkennen, eigene kleine Marketingaktionen, etwa ein Kundenanschreiben zu entwickeln, oder Mitarbeitergespräche zu üben. Denn auch gute Softskill-Fähigkeiten sind für Apothekenleiter essenziell, weil nur mit motivierten Mitarbeitern ein erfolgreiches Arbeiten möglich ist.

Absolventen, die sich meist über das Studium hinaus weiter untereinander fachlich austauschen und sich auch regelmäßig in Schmalkalden zu Fortbildungen beim Alumnitreffen sehen, beschreiben daher das Studium als wichtige Weichenstellung auf ihrem Weg in die Selbständigkeit.

Eine detaillierte Beschreibung des Studiengangs findet sich unter www.fh-schmalkalden.de/apothekenbetriebswirt.html

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